Der Begriff Sicherheit spielt in allen Lebensbereichen eine wichtige Rolle.
Absolute Sicherheit gibt es nirgends. Es geht immer darum, ein vernünftiges Mass
an Sicherheit anzustreben. So auch beim Bergsteigen. In erster Linie soll die
geplante Unternehmung gelingen. Ich will am Schluss wieder gesund zu Hause
ankommen, oder erst mal bei einem kühlen Bier oder Kaffee und Kuchen nachmittags
vor der Hütte die erfolgreiche Unternehmung feiern.
Der Stadtmensch im Gebirge ist vergleichbar mit einem Kind, das
schrittweise lernen muss, wie es sich im Straßenverkehr zurecht findet. Man kann
viel über Sicherheit lesen und diskutieren. Sicherheit bekommen tut man
letztlich aber nur durch eigene Erfahrungen. Ich möchte auf folgende Bücher verweisen, die meiner Meinung nach einen sehr
guten Einstieg in das Thema Sicherheit am Berg ermöglichen :
- Sicherheit und Risiko in Fels und Eis, Bände I-III. Pit Schubert, Bergverlag Rother.
- Sicherheit am Berg (Alpinlehrplan Band 5). Pit Schubert u. Pepi Stückl, BLV Verlagsgesellschaft.
- Sicher Sichern (Sportklettern, Eis, Bigwall). Michael Hoffmann, Panico Verlag.
Neben den Lehrbüchern gibt
es ein großes Angebot an Alpiner Fachliteratur in Form von Erlebnisberichten. Im Grunde
trägt jedes dieser Bücher auch zur Bereicherung der eigenen Kenntnisse bei.
Weitere Literaturhinweise
nehme ich gerne entgegen.


Für Anfänger mit hoch gesteckten Zielen ist es sicher von Vorteil, einen
oder gar mehrere Ausbildungskurse zu absolvieren, wie sie von den einschlägigen
Vereinen und Bergschulen angeboten werden. Auch professionell geführte Touren
sind eine sehr gute Möglichkeit, um erste Erfahrungen zu sammeln. In folgenden
Bereichen sollten mit der Zeit Grundkenntnisse erworben werden :
- Orientierung
- Sicherungstechnik
- Ausrüstungs- und Materialkunde
- Wetterkunde
- Erste Hilfe (speziell fürs Gebirge)
Verschiedene Komponenten wirken sich im Zusammenspiel auf die Sicherheit
einer Unternehmung aus :
- eigene Fähigkeiten (und die des Partners)
- vorhandene Erfahrungen
- Zusammenspiel in der Seilschaft
- körperliche und seelische Verfassung
- Kenntnisse über den Routenverlauf
- ausreichende Verpflegung
- Wettersituation
- Schuhe und Kleidung
- Zusammenstellung der Ausrüstung
- Schwierigkeit und Länge der Route
- Grad der Absicherung (mit Haken, Sicherungsstangen, Fixseilen, Abseilstellen)
- Grad der Höhenanpassung
Die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Bergsteiger besitzen sollte, sind aus meiner Sicht
ein gutes Orientierungs-vermögen im weglosen Gelände, sowie hinreichende Sicherheit beim Gehen und Klettern.
Die beste körperliche Kondition nützt wenig, wenn der richtige Weg nicht
gefunden wird, oder eine schwierige Stelle im Gelände nicht überwunden werden
kann. Ebenfalls wichtig ist auch die Fähigkeit, in schwierigen Situationen einen
klaren Kopf zu bewahren.
Zum Glück muss man nicht
alle Erfahrungen selbst machen, um seinen persönlichen Schatz an Kenntnissen
aufzu-bauen ! Auch beim Bergsteigen ist es sehr wichtig, aus Erfahrungen
und Fehlern anderer zu lernen. Wenn Unfälle einen Sinn haben, dann doch nur den,
dass sie einem selbst und anderen als Lektion für weitere Unternehmungen dienen.
Unfallstatistiken sind
finde ich die beste Grundlage, um in das Thema Sicherheit einzusteigen.
Der Schweizer Alpenclub SAC z.B. veröffentlicht auf seiner Internetseite die
Bergunfallstatistiken der letzten Jahre.

Oft passieren Unfälle nicht in besonders gefährlichen Situationen, sondern dann,
wenn eine vergleichsweise geringe Gefahr nicht erkannt wurde. Viele Bergsteiger verunfallen nicht im Gebirge, sondern vor der eigenen Haustüre.
Trotz der großen
Fortschritte in der Sicherheitsforschung und den hohen
Sicherheitsstandards für die Ausrüstung passieren auch Unfälle, die auf menschliches
Versagen zurückzuführen sind. Aber in welchem Lebensbereich gibt es das nicht
? Immer wieder stellt sich
auch die Frage, welches Risiko letztlich eingegangen wird, um das gesteckte Ziel zu erreichen.
Berühmte Berge haben nicht selten eine "magische" Ausstrahlung, die die Vernunft
der Gipfelanwärter ausschaltet.
In der Hauptsaison ist die
hohe Anzahl von Seilschaften in einer Route ein zusätzlicher
Unsicherheitsfaktor. Es kommt deswegen oft zu erheblichen Verzögerungen.
Ungeduldige, die "ihre" Tour durchziehen wollen, gefährden andere und sich durch
Drängeln. Bei hastigen überholmanövern werden Steine losgetreten, Seile mit
Steigeisen bearbeitet, etc. Auch hier passt
der Vergleich mit dem Straßenverkehr : Jeder möchte eine Fahrt auf einer freien
Straße, und möglichst bei schönem Wetter. Die Ernüchterung durch die etwas
andere Realität sollte aber nicht gleich zu einem asozialen Fahrverhalten
führen.

Interessant und wichtig ist auch die Frage der Rollenverteilung innerhalb einer Seilschaft. Es gibt Alpinisten, die schon zahlreiche Berge bestiegen haben, selbst aber nie eine
Tour geführt haben. Viele davon sind auch der Meinung, daß sie dies gar nicht
könnten. Es ist klar, dass die objektive Sicherheit einer Unternehmung erhöht
wird, je mehr führungsfähige Personen in der Seilschaft sind. Daraus folgt, dass man sich wenn möglich am besten in der Führung
abwechselt.
Durch die allgemeine Klimaerwärmung und den damit verbundenen Rückgang der Gletscher ist das
Bergsteigen in den letzten Jahren gefährlicher geworden. Die
Gletscherstände in den
topographischen Karten können gar nicht schnell genug nachgeführt werden. Das
Aussehen vieler Gletscher hat sich, speziell im unteren Bereich, total
verändert. Weiter oben trifft man auf Spaltenzonen, die noch in keiner Karte
eingezeichnet sind. Firn- bzw. Eispassagen können oft nicht mehr sicher begangen
werden, weil die Temperatur auch nachts nicht mehr unter 0 Grad Celsius sinkt. Es bleibt
einem nichts anderes übrig, als die neuen Gegebenheiten zu akzeptieren, und die
eigene Tourenplanung danach auszurichten.
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